Eigene Stärke wurde für Deutschlands Männer in Genf zum Problem

Geneva Indoors 2014 - Nations Cup

Felix Kühn hebt im Spiel gegen Italien B zum Sprungwurf ab. Foto: Lara Diederich

Die deutschen Tchoukballer zählen in Europa weiter zur Spitze. Mit dieser Erkenntnis kehrte der Nationalkader dieser Tage aus der Schweiz zurück. Dennoch ist Bundestrainer Frederik Berbecker mit dem Ergebnis bei den Geneva Indoors insgesamt nicht zufrieden. Den Nations Cup des bedeutendsten Hallenturniers des Kontinents schloss das Team Germany A mit Rang sieben ab, Germany B landete auf dem zwölften Platz.

Die Enttäuschung kam auf, als klar wurde, dass der hervorragende dritte Platz aus dem Vorjahr nicht wieder zu erreichen sein würde. Dafür hätte die Auswahl des Deutschen Tchoukball-Verbandes (DTBV) alle Vorrunde-Spiele gewinnen müssen. Doch mit einer Niederlage gegen die Schweiz (37:46) reichte es nur zum zweiten Platz in der Gruppe. Damit hieß im Viertelfinale der Gegner Italien A (46:67). „Die waren eine Nummer zu groß für uns, und Italiens starke Linkshänder haben uns das Genick gebrochen. Gegen Linkshänder sehen wir immer schlecht aus“, benannte Berbecker die Schwäche.

In der Runde um Platz fünf leistete sich das A-Team des DTBV gegen Italien B beim 54:64 sein schlechtestes Spiel bei der inzwischen 18. Auflage der Geneva Indoors. In der Partie um Platz sieben drehten die Deutschen in einer Trotzreaktion aber noch einmal richtig auf und waren gegen die britische Nationalmannschaft mit einen Vorsprung von 19 Punkten (67:48) erfolgreich. Doch in dem durchwachsenen Gesamtergebnis sieht der Bundestrainer auch positive Aspekte: „Ausgehend von unserem Potenzial waren wir mit einigen Dritteln sehr zufrieden. Zum Beispiel lagen wir gegen die Schweiz nach dem ersten Drittel noch in Führung und haben die ordentlich aus der Fassung gebracht. In den nächsten Jahren gelingt uns hoffentlich auch einmal ein Sieg.“

Neben den eigenen Schwächen hat Frederik Berbecker aber auch gerade die Stärke des Teams als Knackpunkt erkannt. Das klingt widersprüchlich, ist aber erklärbar. Denn die europäische Konkurrenz nimmt Deutschlands als Gegner ernst. Berbecker: „Unsere große Stärke war immer, dass wir gegen jedes Team unsere Punkte machen können. Je näher wir aber an die Topteams herankommen und je öfter wir gegen sie spielen, desto besser kennen diese unsere Würfe und stellen sich darauf ein.“ Damit konnten die DTBV-Spieler in Genf leider nicht umgehen. „Wenn unsere besten ein, zwei Würfe nicht mehr durchkommen, fehlt es uns an Durchschlagskraft und an sicheren Punktelieferanten im Team. Das müssen wir trainieren“, beschreibt Berbecker eine der Aufgaben für die nächsten Monate.

Erkennbar war in der Schweiz aber auch, dass die Form von der Europameisterschaft im eigenen Land nicht über die lange Sommerpause gebracht wurde. Berbecker: „Man hat erkennen können, dass wir das Tempo nach der EM deutlich herunter gefahren haben. Als Team waren wir taktisch zwar sehr gut aufgestellt, aber fast kein Spieler konnte mit seiner Leistung an seine individuellen EM-Form anknüpfen. Da hat man deutlich gemerkt, wie wichtig das Training in den Vereinen ist.“

Einen guten Eindruck hinterließ das Mixed-Team Germany B, das nie zuvor in dieser Besetzung gespielt hatte. Nach Siegen gegen die schweizerische U18-Nationalmannschaft (49:32) und Tschechien B (49:48) landeten sie nach der Vorrunde im Topf der Gruppendritten. Hier waren die Gegner dann aber allesamt zu stark. Am Ende stand dennoch der gute zwölfte Platz unter 19 Teams zu Buche.

Der Turniersieg im Nations Cup ging an das Team von Weltmeister Taiwan, das im Finale Europameister Österreich A 67:55 bezwang. Dritter wurden die Schweizer Männer mit 48:47 gegen Italien A.

Nach zwei kräftezehrenden Turniertagen stand noch das Elite-Turnier an. Zwölf Deutsche, die vor allem Spaß haben wollten, bildeten ein Germany-Team. Alle Spieler bekamen viel Einsatzzeit und konnten Lieblingswürfe und Tricks ausprobieren. In der Gruppe ist das Team Fünfter geworden, und in der Runde mit den anderen Gruppenfünften gab es durchgängig Niederlagen. Damit sprang insgesamt Platz 20 unter 27 Teams heraus.

Frederik Berbecker war in diesem Jahr als Gastspieler in eine schweizerische Mannschaft eingeladen worden. Das Team „Six on the Beach“ lädt sich schon seit einigen Jahren jeweils einen internationalen Gast ein. „Es war eine Ehre für mich, dass ich gefragt wurde, und es hat super viel Spaß gemacht“, war Berbecker voller Respekt für die Truppe, die für die Geneva Indoors auf Wunsch des Veranstalters einen anderen Namen wählen musste. Als „Ovronnaz“ belegte sie am Ende den vierten Platz.

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